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Milchpulver

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Blog der zweiundzwanzigste

(Vorwarnung: nix Bildli!)

Mehr als in Laos und Vietnam begegnet man in Kambodscha der Armut. Die Folgen des Kriegs, der bankrotte Staat (60% des Staatsbudgets von Kambodscha sind fremdfinanziert), die Korruption und eine fehlende Generation von Arbeitskräften, die für die Familie aufkommen könnten, sind Gründe für die grössere Armut. Zumindest ist sie auf der Strasse viel präsenter als in den anderen beiden Ländern.

So bin ich tagtäglich einem grossen Zwielspalt ausgesetzt. Unterstütze ich den kriegsverletzten Bettler am Strassenrand? Kauf ich dem 8-jährigen Knabe ein Buch ab, das er mir mit voller Überzeugungskraft und in einem sehr guten Englisch anpreist? Was geb ich der bettelnden Mutter mit ihrem Kleinkind im Arm? - Ein Zwiespalt, der mich innerlich oft fast zerreist, vor allem wenn man zehn Minuten vorher gut gegessen, in Dollar bezahlt und allenfalls ein Luxusprodukt wie Kaffee genossen hat.

In so einem Moment erscheint es einem (diesmal nicht mir, sondern einer Kollegin) mehr als sinnvoll, der bettelnden Mutter in den Supermarkt zu folgen und ihr eine grosse Dose Milchpulver zu kaufen, damit es im Schoppen für mehr als nur ein Bödeli reicht. Dass die Dose $ 10.00 kostet, ein grosser Betrag in Kambodscha, ist in diesem Moment nebensächlich. Die Kehrseite erscheint dann aber umso bitterer. Die Frau steuert mit dem nächsten Touristen erneut in denselben Supermarkt. Etwas anderes als die grösste Packung Milchpulver will sie nicht, zielstrebig steuert sie darauf zu. Ein Gespräch mit einem Lokalen bestätigt das ungute Gefühl, dass die Kundin und der Supermarktverkäufer unter einer Decke stecken. Die Frau bringt die Dose später zurück, erhält das Geld und kann sich damit kaufen, was sie will (was nicht unbedingt dem Kind zugute kommen muss).

Interessant, wie sich dieselben Szenen in verschiedenen Ländern der Erde wiederholen. Denn in Salvador de Bahia in Brasilien bin ich auf den genau gleichen Trick hereingefallen.

Soll man jetzt niemandem mehr etwas geben? Wem kann man trauen? Soll man nur von zuhause Entwicklungsorganisationen unterstützen? Oder war das nur ein Vertrauensmissbrauch, wie man ihm überall begegnen kann? - Fragen, auf die ich keine Antwort gefunden habe, resp. mir tagtäglich in verschiedensten Situationen immer wieder eine Antwort geben muss.

Eingestellt von puma_1977 05:48 Archiviert in Kambodscha Tagged backpacking

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